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#autorenleben

Aktualisiert: 22. Nov 2019




#autorenleben



So beginnen oder enden etliche Tweets in der "Autorenblase" - der Szene der Schreibenden auf Twitter. Und fast immer enthalten solche Nachrichten mindestens drei der folgenden Stereotype: Die Katze ist im Zimmer und lenkt einen ab; man weiß nicht, was man schreiben soll; das Selbstvertrauen ist am Boden; Kaffee; Schokolade; Kaffee und Schokolade; soziale Isolation, die aber mehr oder minder erwünscht ist; Kuchen; die Figuren machen, was sie wollen; das Überarbeiten ist eine Tortour; das Schauen einer Serie oder anderweitiges Prokrastinieren.

So manche dieser Stereotypen haben einen wahren Kern. (Ich muss zugeben, dass ich gerade einen Schokolebkuchen knabbere und eine Tasse Milchkaffee schlürfe.) Es ist bloß die fortwährende Mode, diese Sachen als intrinsisch "künstlerisch" zu deuten oder sogar aus diesen und ähnlichen Gewohnheiten zu schließen, dass jemand für ihre oder seine Kunst wie geschaffen sei, die mich immer wieder sehr erstaunt. Ich fürchte, dass wir hier in die unter Statistikern wie der Leibhaftige gefürchtete Falle der sogenannten "falschen Korrelationen" zu tappen drohen.

Nein, nein und nochmals nein, egal wie sehr es propagiert wird: Fehlendes Selbstvertrauen macht Künstler und auch Schreibende nicht aus. Besser gesagt, es macht ihre Kunst nicht aus. Kunst schafft sogar leichter, wer ein gutes Selbstvertrauen hat (nicht besser, bitte, sondern einfach nur leichter). Nicht, weil wir manchmal Probleme mit dem Selbstvertrauen haben, schaffen wir Kunst, sondern weil wir Kunst schaffen, haben wir manchmal Probleme mit dem Selbstvertrauen. Meinetwegen kann man das ja gerne nennen, wie man mag, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es den Automechatroniker erst zum Automechatroniker macht, dass ihm der Schraubenschlüssel auf den Fuß fällt. Gleiches lässt sich für die meisten anderen klassischen Merkmale der Schreibenden sagen. Es ist doch unterm Strich ein bisschen banal.

Rollenbilder beäuge ich allgemein eher kritisch. Möchtest du dein künstlerisches Potenzial einschätzen, dann ist die aus meiner Sicht nützlichste Frage, die du dir stellen kannst, nicht so sehr:

"Bin ich auch ja wie das Rollenbild?"

Sondern:

"Bin ich ich selbst - und bin ich es gern?"


Selbstverständlich ist auch dies nur ein unvollkommener Blickwinkel, der nicht jedem zusagen und nicht in jeder Situation angemessen erscheinen wird. Ein künstlerisches Potenzial ist, wie hinlänglich bekannt, eine ebenso schwer zu messende und facettenreiche Sache wie die Kunst selbst. So viel kann man aber sagen, so verschieden erfolgreiche Künstler in jeglichem anderen Punkt sein mögen - und das sind sie, ob in ihren Idealen, Techniken, oder ihrem Sozialleben! - dass sie alle ihre unverwechselbare Persönlichkeit spürbar durchscheinen lassen. Genau das, zu den eigenen Besonderheiten zu stehen, scheint mir das beste Instrument aller Kunstschaffenden, sogar vor allen erlernten Techniken. Nicht, dass eine unverwechselbare Persönlichkeit so ausgefallen und phänomenal sein müsste. Ich glaube, das wird gerne verwechselt - es braucht nicht das große Bühnenlicht. Es geht nicht darum, dass man in einem ausgeflippten Licht steht, sondern darum, dass man überhaupt irgendwo steht. Selbstsicher sein kann. Seinen eigenen Riecher ausleben kann.


Für mich ist dieser Riecher etwas, das man schulen kann, wie alles andere auch an sich selbst. Etwas, das mit den Jahren wächst. Und etwas, das uns allen ganz gleichermaßen mitgegeben ist. So ist es vielleicht irrig, zu fragen, welches künstlerische Potenzial man hat - und besser, sich damit auseinanderzusetzen, wie man an sich selbst arbeiten kann, um es zu finden und zu entfalten. Nach ganz eigenen Regeln, die - wer weiß? - vielleicht nie jemand anders begreifen wird, was auch gar nicht unbedingt schlimm sein muss. Und da wären wir wieder bei der Tatsache, dass künstlerisches Potenzial nicht messbar ist. Nicht ohne Grund ist das Adjektiv "anders" nicht steigerbar. Persönlich schaut mein Resümee hierzu so aus:



Ich bin ich.

Ich glaube an mich und mache das Beste aus mir.


#autorenleben


Bis bald! euer Schreibotter




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