Blindes Schreiben!




…klingt erstmal seltsam.


Ist aber ein sehr nützliches Training! Für manche kann es sich anbieten, die Augen ganz einfach zu schließen. Für andere ist es besser, den Händen dabei zuzuschauen, wie sie emsig in die Tasten hauen, oder auf der Suche nach Inspiration in den Himmel zu sehen.


Sinn?


Blindes Schreiben ist ein Trick, der es sehr erleichtern kann, sich warmzuschreiben. Eine Praxis, die sich wachsender Beliebtheit erfreut und zu der eine ganze Reihe von Schreibmethoden geraten werden. Hierbei könnte es sich z.B. um die berüchtigten „Morgenseiten“ handeln, in denen Schreibende, die tagsüber wenig Zeit finden und über lange Zeiträume hinweg nicht einrosten wollen, sich direkt nach dem Aufstehen den Kopf leerschreiben. Eine tolle Sache ist sowas aber auch, wenn man es stets 10 Minuten lang vor dem „richtigen" Schreiben betreibt. Man wärmt sich dabei auf - ganz buchstäblich in den Fingern, aber genauso sehr innerlich.

In vielen dieser Übungen, in denen das Improvisieren des Inhalts sehr wichtig ist, kann ein Stichwort, ein Satzanfang oder auch bloß eine Gefühlslage als Ansatzstelle dienen. Der grundsätzliche Unterschied zum klassischen improvisierten Schreiben ist, dass diese Texte nur für dich selbst bestimmt sind und es auch nicht weh tun muss, sie gleich wieder zu löschen. Es geht nicht darum, einen besonders lesenswerten Text zu schreiben, sondern allein darum, in Sekundenbruchteilen zu entscheiden, wie es weiter gehen soll - und das einfach durchzuziehen. Hier kommt das blinde Schreiben ins Spiel, das ich zu jeder dieser Übung empfehlen kann. Der sogenannte innere Kritiker, der bei jedem anderen Schreibakt dankenswerterweise wach ist, verschwindet nämlich wie von Zauberhand, indem man gar nicht hinschaut.

Idealerweise unterbrichst du dich hier daher nicht, um nachzudenken oder Fehler nachzubessern. Schreib einfach weiter, lass deine Gedanken fliegen! Es muss nicht gut werden, sondern immer nur gerade so gut genug, um daran unmittelbar anzuschließen. Ich kann nicht an ein Der Baum war… so…. ähm anschließen. Sehr leicht aber an ein der Baum hatte Blätter, mit denen man den Fußboden wischen konnte. Stuss ist nicht bloß erlaubt, sondern wird erwartet. Natürlich kannst du es mit der Kunst des Improvisierens ernster meinen und danach streben, dass dir hinterher auch gefällt, was du blind fabriziert hast. Aber darum geht es nicht bei dieser Übung. Es geht nicht darum, dass es brilliant und amüsant sein muss. Sondern es ist schon richtig super, wenn ein lesbarer, formal halbwegs sinnvoller Text entstanden ist, ganz ohne hinzuschauen oder dich zu unterbrechen. Falls du möchtest, darfst du sogar auf Großschreibung und Satzzeichen durchweg verzichten, um dies zu erreichen.


Trainiert wird dadurch der Ideenreichtum beim „richtigen“ Schreiben, wo der innere Kritiker wieder eingeschaltet ist und dich sofort innehalten lässt, wenn ihm was nicht gefällt. Je schneller dir nämlich neue Ideen kommen, desto leichter kannst du ihm geben, was er will. Und so kann man Blockaden vorbeugen.



Eine Übungsvariante, mit der ich damals eingestiegen bin, basiert darauf, sich eine Liste an Satzanfängen zurechtzulegen und immer mit einem davon einzusteigen - vielleicht hilft das auch dir? Ich wünsche jedenfalls, ganz gleich, wie du dir diese Übung gestaltest, ganz viel Spaß beim Improvisieren und dass der innere Kritiker möglichst schnell handzahm wird ^_^



Ich finde das nicht sehr… Es könnte… Besonders darüber… Seid nicht… Im besten Fall… Natürlich kann niemand… Ich wollte schon immer… Das hier ist ein… Darüber hätte man… Bleib hier, sonst… Alles, was… Nirgendwo hält… Schlechter sollte… Wessen Idee war es…



Die Möglichkeiten sind grenzenlos.




Bis bald! euer Schreibotter




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