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Die Prokrastinationskröte

Aktualisiert: 22. Nov 2019





Dies ist die Geschichte einer Kröte, die eines Tages die Schnauze so richtig voll davon hatte, sich vor der Schreiberei zu drücken. Pah! Stattdessen würde sie Gedichte schreiben, den ganzen Tag.

So fasste sie alsbald einen Entschluss.


"Es ist übermächtig", quakte sie in ihr Sprachaufzeichnungsgerät, das sie pedantisch mit sich führte. "Ich muss zum Flughafen. Sofort!" Sie brach ohne jegliches Gepäck auf. Frisch angekommen, erkundigte sie sich nach ihrem Blutdruck. Leider konnte ihr niemand helfen, aber das war nicht so schlimm. Nachdem dieses erledigt war, kehrte sie schleunigst heim, da es schließlich pressierte, ein neues Gedicht zu schreiben. Sie zwängte sich durch die Türe und blickte zum Schreibtisch, wo das unbeschriebene Blatt Papier noch immer herumlag, ganz wie sie es verlassen hatte. Die Kröte ergriff das dringliche Gefühl, dass sie schreiben müsse. Sie hatte der Welt ja etwas mitzuteilen! Und wenn sie nur lange genug an ihrem Bleistift herumleckte, würde sie ganz bestimmt auch bald herausfinden, was es war. Eine zündende Idee war schließlich gefunden, also drehte sie ihn in der warzigen Hand und rührte sich damit ihren Espresso um, um die Lebensgeister zu wecken.

Sie musste ja vorbereitet sein.

"Trinkbar", konstatierte sie in ihr Gerät. "Gerade so. Spielraum, um länger zu rühren, wäre vorhanden." Aber dann blickte sie aufs Blatt, und es stand ihr plötzlich glasklar vor Augen: Ihre literarische Idee hatte sich verflüchtigt.

Sie schleckte genüsslich die Tasse aus, mit sich und dem Nachmittag im Reinen. Hach! Ein Krötenleben. Ja, jetzt konnte sie endlich inspiriert schreiben, oder auch zum Schwimmbad schlendern, denn gleich daneben gab es ein Restaurant mit den besten Krötenknödeln weit und breit, und schließlich mochte jede Kröte Krötenknödel.

"Bestätige", nahm sie auf. "Und nein, falls ich das hier jemals aus schierer Verzweiflung heraus aufschreiben sollte – im Krötenknödel sind keine Knödelkröten. Barbarisch, der schiere Gedanke."

Im Restaurant bestellte sie und langweilte sich. Stift und Papier hatte sie eigens mitgebracht, nun lagen beide, treu wie eh und je, vor ihr ausgebreitet, mit nichts, das sie hätte ablenken können – also ließ sie sich die Eiskarte bringen.

"Sie haben gewählt?", erkundigte sich jemand neben ihr. Sie sah auf und ließ sich haarklein die Geschichte der Machart aller verfügbaren Sorten des Hauses erklären, da andernfalls nicht auszuschließen gewesen, wäre, dass sie ein Gedicht begonnen hätte. Plötzlich unterbrach sich der Kellner in seinen Tiraden, sie müde. Er deutete auf die leeren Blätter, die noch immer vor ihr ausgebreitet lagen, nur dass sie inzwischen einen Großteil daran zerknüllt und in Fetzen gerissen hatte. Noch hatte sie ihren Rekord im Zerkleinern unbeschrifteten Papieres nicht gebrochen.


Er hüstelte:

"Suchen Sie Inspiration?"

"Ich tendiere zur Karotte."

"Ich bitte Sie, das ist doch nicht nötig."

"Katzenhaieis hört sich aber auch nicht übel an. Sehr selten."

"Sie müssen nur loslegen!"

"Hätten Sie mal welches."

"Es wird nicht leichter dadurch, dass Sie sich kostbarer Feil- und Revisionszeit berauben, nur schwerer und schwerer..."

"Sie weichen mir aus, Sir."

"Ich mache Ihnen ein Angebot: Ich werde jetzt wieder gehen und meinen Job ausüben, und Sie werden dasselbe tun."

Sie blinzelte.

"Ich weiß nicht, wovon Sie reden."


Aber da war sie auch schon allein gelassen mit dem Blatt, das sie böse anstarrte. Das leere Papier, ihr ewiger Feind, und draußen war es bereits dunkel. Plötzlich begriff sie, was es zu tun galt. Sie ging heim, stemmte sich bis in den Morgengrauen in einer letzten, verzweifelten Anstrengung gegen das Schicksal, indem sie all ihre Papiervorräte schredderte, und ärgerte sich.

Und du kommst jetzt in die Gänge!






Bis bald! euer Schreibotter






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