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Die unvollendete Reise, Teil 1

Aktualisiert: 22. Nov 2019




„490346F“, summt die maschinelle Stimme. „Treten Sie vor.“ Ich schlucke. Ich werde nie vergessen, wie ich die erste Exekution hier unten miterlebt habe. Die Roboter machen das in ein und derselben Routine wie den Boden zu schrubben. Und in derselben Stimmlage. Natürlich - denn das hier sind ja keine Luxus-Menschkontakter, wie die Alphas sie sich angeblich beim samstäglichen Einkaufsbummel für Millionenbeträge ersteigern, keine Servier- oder Buttlerdroiden, nichts davon. Es sind Sklaventreiberdroiden. Natürlich ist das nicht ihr richtiger Name, hier unten nennt sie aber jeder so. Und sie ahnden es nicht einmal. Es scheint sich zu sehr mit ihrer Programmierung zu decken. Nur nicht auffallen. Nichts zu verbergen haben.

Ein normaler Schritt... Ich mache einen kleinen, hastigen Schritt und versuche, unbekümmert in die stechend gelben Maschinenaugen zu sehen. Es gelingt mir nicht. Ich sehe wieder nur die riesigen Füße. Es… „Treten Sie näher. Ich muss Ihren Puls messen.“ Bitte nicht. Schwer atmend besinne ich mich. Erinnere mich daran, was mein bester Freund mir noch sagte, am Tag, bevor sie ihn holen kamen. Er sagte: Angst – das muss der Normalzustand für dich sein. Du musst lernen, damit zu leben, was du bist und wo du bist, dann bist du irgendwann hart genug, es zu ändern. Irgendwann… für ihn war dieses irgendwann nicht gekommen. Ich strecke die Hand aus. Sehe, wie mein Unterarm zittert. Er ist knallrot, wenn man von einigen schwarzen Brandblasen einmal absieht, die hier ganz normal sind. Das kalte, pulsierende Licht des Flurs blitzt über die kleine Platine, die mir in den Handrücken eingeschweißt ist. Ein kalter Stahl schließt sich um sie. Ich sehe nicht hin. Bitte nicht… Ich versuche, mir nicht auszumalen, was passieren könnte, wenn sie merken, dass die Platine kaputt ist. Ich sie sabotiert habe. Sie nicht mehr künstlich mit meiner Psyche spielen können. Sie würden… ich würde… „Fehlfunktion“, summt die Stimme und macht eine Pause. Ich schließe die Augen. Fest.

Sehr, sehr fest. „Individuum 490346F. Schnelle Panikreaktion ist erkennbar. Platine arbeitet normal. Schneiden Sie sich die Haare. Schönen Feierabend.“ Der Schraubstock löst sich. Mehr erleichtert als überrascht trete ich wieder zurück in die Reihe. Ernte mitfühlende Blicke. Bin einer von ihnen. Ich darf nicht auffallen. Sie dürfen mich nicht holen, noch nicht. Ich habe meinem besten Freund versprochen, weiterzumachen.


Bis bald! euer Schreibotter




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