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Die unvollendete Reise, Teil 3

Aktualisiert: 22. Nov 2019




Ich höre den Sklaventreiber, bevor ich ihn sehe.

Schaudern. Genauer gesagt, ich höre seine knisternde Plasmaschleuder, die sich in meine Gedanken brennt. Hoffentlich bleibt es bei ihnen. Schweißüberströmt hantiere ich mit den Hebeln herum. Ich habe noch nie ein Exoskelett von innen gesehen - diese teuren Maschinen werden grundsätzlich nur Alphas anvertraut. Und erklärt, was das betrifft. Ich halte inne und stelle fest: Ich habe keinen Schimmer, was ich da gerade mache. Durch die Basis zu marschieren, war das eine; die stählernen Beine ahmen meine eigenen ungefragt nach, und die überrumpelten Sicherheitsleute hatten nichts zu lachen, aber das hier… das hier erfordert technische Bildung, nehme ich an. Etwas, das ich als jemand, der seit dem sechsten Lebensjahr hier unten schuftet, natürlich nicht hat. Da! Eine rote Glut zerteilt die Dunkelheit. Der Sklaventreiber! Er hat sich bereits ein Loch in die Schleusekammer gebohrt. Die Schneide zersägt nun ganz methodisch die Stahlmauer. Fiebernd sehe ich ihr zu. Ich weiß, dass ich das nicht sollte - ich muss mich beeilen. Ich kann mich nicht gegen den wehren, ich muss hier raus. Ich muss sofort hier raus! Blind schlage ich in der engen, finsteren Kammer um mich. Ein bisschen wie ein Sarg, schießt es mir durch den Kopf - nur, dass er ein bisschen zurückweicht, wenn man von innen dagegen schlägt. Beruhigend. Nicht beruhigend ist das rote Signallämpchen geradewegs unter meiner Nase. "Die Schleuse kann nur geöffnet werden, wenn der Exosuit sicher verriegelt ist", ertönt eine höfliche, ruhige Frauenstimme. "Bitte schließen Sie das Gehäuse zu Ihrer eigenen Sicherheit, um die Prozedur einzuleiten." Knistern. "Ich mach dich kalt, du Made!" Knistern. "Bill, kannst du uns hören? Sie haben den dritten Schweißersaal eingekesselt. Sechshundert Leute können jetzt jede Hilfe brauchen, bevor es zu spät ist! Bill, kannst du mich…" Plötzlich kracht etwas zu Boden. Ich schrecke hoch, versuche etwas zu erkennen, aber es ist so verdammt düster. Es klang nach einer Stahlplatte. Einer sehr großen, schweren Stahlplatte, dem Geräusch nach zu urteilen. Wäre es nur nicht so finster! Musste ich denn auch unbedingt den mit kaputter Innenbeleuchtung erwischen? Plötzlich werde ich geblendet. Blinzle. Schnurrend schaut mich ein Schwebe-Bot aus seiner rot leuchtenden Linse an. Ich stutze. Sofort eröffnet er das Feuer. Die Kugeln prasseln ohrenbetäubend über dem Glasvisier nieder, hinter dem ich versuche, mich in Deckung zu schleudern, aber da ich an die Maschine gefesselt bin, verletze ich mich nur. Es hält ihnen zu meiner Überraschung stand. Noch! Brüllend hole ich aus, und der riesige Metallarm schlägt das Mistviech in seine Einzelteile. Seltsam, dass ich noch immer einen Schein sehen kann. Ich drehe mich geräuschvoll nach der Lichtquelle um. Es ist nicht ein Sklaventreiber. Es sind drei. Sie haben sich durchgebrannt. Rot glühen ihre Plasmabrenner, als sie sich nähern. Schreiend reiße ich mich herum, reiße an allem, was sich bewegen lässt, reiße daran, so weit es eben nachgibt. Ich bin tot. Ich bin tot. Ich bin tot... "Glückwunsch! Sie sind nun sicher. Die Prozedur wird nun eingeleitet. Genießen Sie den Tauchgang und beehren Sie Tasmania Aquamining bald wieder."

Bevor ich reagieren kann, bricht eine große schwarze Flutwelle über uns herein und spült die Roboter von ihren Füßen. Ich schlucke, als das Tiefenwasser durch die Risse tost, die sie selbst hinterlassen haben. Die Basis wird untergehen, mit Mann und Ratte wird sie untergehen. Im Stillen bete ich, dass meine Leute inzwischen die Landeboote erreicht haben. Sirenenschall ertönt...

"Bill!", knistert eine Stimme. "Kannst du mich hören, alter Junge? Die Rebellion hat begonnen!" Eine Pause. "Ich weiß nicht, ob sie dich schon erwischt haben, aber - sie hat begonnen."

Ich nicke langsam. Die Strahlung des Meeresbodens durchdringt mich, seit die Schleuse sich aufgetan hat, das ist mir schmerzlich klar. Sie haben uns nie anständige Schutzanzüge gegeben. Sie haben es uns nie gegönnt.

"Dann schauen wir doch mal, wie viel ich noch reißen kann."




Und das war es leider auch schon. Diese kleine Geschichte, die gerade erst begonnen hat, war mein Beitrag zu einem Foren-Rollenspiel, an dem leider kaum jemand Interesse zeigte. Aber wer weiß - vielleicht schreibe ich sie eines Tages weiter, mit schreibbegeisterten Mitspielern, die ihre ganz eigenen Pläne haben?


Bis bald! euer Schreibotter ^_^





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