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Dinosaurier - im Reich der Fan-Fiction, Teil 1: Ein Fluss im Norium

Aktualisiert: 22. Nov 2019




Hey, ihr!


Ich lehne mich an Tim Haines "Dinosaurier - im Reich der Giganten" an. Ich möchte diese Dokumentation ehren, nicht kopieren. Die hier dargestellten Tierarten sind nach neueren Erkenntnissen, aber auch Hypothesen beschrieben worden. Faktizität ist nicht beansprucht. Falls dieses veränderte Bild euch interessiert, so könnt ihr mich in den Kommentaren darüber anhauen, woher ich das eine oder andere habe. Und jetzt wünsche ich viel Spaß mit meiner allerersten Fan-Fiction!



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Es ist schwül und heiß im dornenübersähten Buschland. Das Tal, das ein namenloser Fluss in die umliegende Hochebene fraß, spendet an diesem Nachmittag den ersehnten Schatten.

Ein Drepanosaurusweibchen erklimmt vorsorglich die höchsten Äste einer einsam stehenden Araukarie. Sie sieht ein bisschen aus, als hätte man ein Faultier mit einer Eidechse gekreuzt, und tatsächlich ist sie in ihrer Lebensart beiden verbunden. Geruhsam streckt sie ihre enormen Krallen aus, um zwischen den weichen Nadeln des Baumes unterzutauchen. Es ist ihr uralter Instinkt, sich vor den stets lauernden Pterosauriern zu verstecken - denn die haben ihre rein insektivoren Tage längst hinter sich. Den scharfen Fängen eines Calestiventus hätte sie nichts entgegenzusetzen, zu schwach sind ihre Glieder. Der gedrosselte Stoffwechsel von Drepanosaurus, der dem eines modernen Faultieres ähnelt, ist allerdings nur eine von etlichen Strategien, wie die Tiere der ausgehenden Trias ihrer härtesten Probe zu trotzen gelernt haben.

Der Planet hat nur einen enormen Kontinent, Pangäa. Seine gleichmäßig warmen Araukarienwälder mögen jetzt, in der Blüte der Regenzeit, aussehen wie ein Paradies, doch der Schein trügt. Der atmosphärische Sauerstoff ist zu Beginn der Trias auf ein Rekordtief gesunken. Nie zuvor hatten Landwirbeltiere mit einer so feindseligen Atmosphäre zu ringen. Und selbst jetzt, nach über dreißig Millionen Jahren unermüdlicher Anpassungen, müssen sie noch immer sparsam sein. In diesem seltsamen Zeitalter, in dem die Erde sich schleichend erholt, sind unorthodoxe Lösungen die Regel. Eine regelrechte Explosion des Lebens ist die Folge.


Manche, wie Drepanosaurus, werden nicht überdauern. Andere, wie die frühesten Schildkröten oder Termiten, sind dazu bestimmt, den kommenden Erdzeitaltern zu trotzen. Aber die spektakulärsten Neuankömmlinge gehören einer anderen Gruppe an.


Eine Familie Liliensternus schleicht sich durch den Schaden. Golden ruht die Sonne über dem nahen Fluss, der ein halbes Jahr beinahe ausgetrocknet war. Nun ist es ein reißender Strom, und die Pflanzen blühen. Es ist die ideale Jahreszeit für die schlanken Räuber, um ihre rasch wachsenden Jungtiere aufzuziehen. Die beiden Jungtiere suchen im Schlamm nach Krebsen. Immer wieder blickt die Mutter, die einen halb im Schlick versunkenen Baumstamm erklommen hat, sich dabei argwöhnisch um. Ihr außerordentlich langer und beweglicher Hals ist dabei sehr vorteilhaft.

Liliensternus sind Dinosaurier, eine junge und seltene Tiergruppe, die meist im Schutz der Dämmerung auf Jagd geht. Unter all den erstaunlichen Lebewesen, die die andauernde Probe der Trias hervorbrachte, sind sie einzigartig, denn sie sparen nicht mit ihrer Energie. Liliensternus können ihre Körpertemperatur bis zu zehn Grad über ihrer Umgebung halten, sodass kaum ein anderes Lebewesen sich mit ihrer Schnelligkeit messen kann. Sie balancieren auf ihren langen, grazilen Hinterbeinen über den von Luftwurzeln durchzogenen Schlamm. Eine völlig neuartige Form der Bewegung, die nicht nur viele Jahrmillionen der sich verändernden Beinknochen voraussetzte, sondern auch eine beträchtliche Intelligenz. Sie gehören außerdem zu den frühesten Reptilien, die ausgiebig Brutpflege betreiben. Die flaumigen Jungen sind nicht größer als eine Straßentaube. Sie bleiben ohne die leiseste Furcht bei ihrer Mutter.

Sie könnten nicht verschiedener sein von dem behäbigen Drepanosaurus, der über ihnen in den Baumkronen äst. Ihren verschwenderisch anmutenden Lebensstil erlaubt ihnen eine einzige Schlüsseladaption, die von außen nicht zu sehen ist. Es sind ihre einzigartigen Lungen. Ihre Knochen sind hohl, und darin verbirgt sich ein kompliziertes System aus Nebenlungen, den so genannten Luftsäcken. Sie sind miteinander verbunden und bilden so einen Zwischenspeicher, mittels dessen Sauerstoff annähernd simultan ein- und ausströmen kann. Sie sind die ausdauerndsten Tiere in den Trockenwäldern des Norium - eine Besonderheit, die immer wieder über Leben und Tod entscheiden kann. Die Mutter stößt alarmiert einen Ruf aus. Sie hat etwas erspäht - doch es ist nur ein kleiner Aetosaurier, der gerade seinen Bau verlassen hat. Binnen einer Sekunde steht sie über ihm.

Der Aetosaurier erinnert an ein Gürteltier, obwohl er eine frühe Seitenlinie der Krokodile darstellt. Sofort rollt er sich zu einer Kugel zusammen und präsentiert der Mutter seine robusten Schuppen.

Neugierig rollt sie ihn mit ihrer Schnauze herum.

Es geschieht nahezu unvermittelt. Ein großes, mit schweren Panzerplatten bedecktes Raubtier bricht aus dem Busch und stürmt auf den Hinterbeinen los. Seine dolchartigen Zähne schnappen geräuschlos nach der Liliensternusmutter, doch sie ist vorgewarnt und springt in der letzten Sekunde beiseite. Sein markerschütterndes Brüllen rollt über den Fluss, als die kleinen Raubdinosaurier auseinanderstreben. Der Fehlalarm der Mutter hat die Jungen wachsam gemacht. Nichts als Fußspuren im Schlamm bleiben - dann sind sie auch schon in den dichten Schachtelhalmen verschwunden.

Schwer atmend kommt der heranwachsende Postosuchus zum Stehen, nun wieder vierbeinig ruhend. Tief sinken seine Krallen ein. Sein Geifer rinnt noch, seine eng geschlitzten Raubtieraugen suchen rastlos - aber diesmal ist ihm seine Beute entkommen. Selbst der Aetosaurier, der schwerlich eine angemessene Mahlzeit dargestellt hätte, hat sich wieder in den Schutz seines Baus begeben.

Postosuchus ist kein Dinosaurier. Ihre Linien trennten sich unmittelbar nach dem großen Sterben, das nahezu alles Leben auslöschte. Den späteren Krokodilen steht er viel näher. Genau wie sie besitzt er einen schweren Panzer, der seinen Rücken bedeckt, doch anders als bei ihnen stehen seine Beine senkrecht unter dem Körper. Sein rasselnder Atem verrät, dass er sich von der Blitzattacke noch immer erholen muss. Er ist viel zu schwer, um anhaltend auf die hinteren Beine erhoben zu rennen. Krokodilartige wie er sind Meister des Hinterhalts, und lange haben sie die räuberischen Nischen erfolgreich besetzt - doch anders als ihre jüngeren Rivalen besitzen sie urtümliche Lungen.

Und mit jedem Tag, den diese erfolgreicher zu werden scheinen, wird es schwieriger, Beute zu machen.

Die Sonne senkt sich allmählich über die sonderbaren Felsformationen des Tals. In der Ferne röhren zwei Placeriasbullen im Revierkampf. Diese massiven Tiere, über eine Tonne schwer, erinnern an Flusspferde, und genau wie diese trauen sich erst nachts aus dem Fluss, um zu äsen. Sie sind die letzten Dicynodontier - pflanzenfressende Stammsäugetiere, die früher einmal ganz Pangäa dominierten. Aber seitdem Dinosaurier sich ausgebreitet haben, schwinden sie dahin.

Die beiden Bullen ringen miteinander, wobei ihre enormen Stoßzähne einen Scheinangriff nach dem anderen vornehmen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie wirklich ihr Leben riskieren werden. Schließlich taucht das ältere Individuum, dessen Stoßzähne bereits stumpf sind, ab und wendet sich um. Sein schweres, dickes Skelett erlaubt es dem Tier, fast mühelos über den Gewässerboden zu gehen.

Placerias haben die Flucht in ein aquatisches Leben erst kürzlich angetreten, wie so viele Tiergruppen in der Trias. Schwimmende Lebewesen müssen nicht ihr eigenes Körpergewicht stemmen, und so sparen sie wertvollen Sauerstoff. Das massige Tier schiebt sich durch den dichten Algenteppich und schreckt dabei eine kleine Schildkröte auf. Tatsächlich ist der Panzer dieses Reptils aus sehr ähnlichen Rippenverdickungen hervorgegangen, wie denen des Placerias. Er diente ursprünglich als bloßer Tauchbeschwerer, doch jetzt ist er stark genug, um den zuschnappenden Kiefern auch großer Räuber zu trotzen. Sie kann Hals und Beine zwar noch nicht einziehen, aber Stacheln bewehren sie.

Aber während es den Schildkröten und einer Reihe anderer diapsider Reptilien gelingen wird, in den aquatischen Lebensräumen Schutz zu suchen, sind die Tage der hochspezialisierten Placerias bereits gezählt. Das Klima wird immer trockener, und jeder See, der in der Trockenzeit ausdörrt, rafft sie und die anderen großen Flussbewohner reihenweise dahin. Bald werden sie verschwunden sein - genau wie alle landlebenden Dicynodontier vor ihnen. Der junge Postosuchus hat sich, verausgabt von der Jagd, seit weit in den kühlenden Fluss hinaus begeben. Bis zum Bauch steht er darin und fühlt sich kurz ein bisschen zu sicher. Plötzlich brechen die Fluten auseinander. Fast zwei Meter lange Kiefer klappen entzwei, bevor sie sich auch schon schraubstockartig um den überrumpelten Jäger schließen. Der Angreifer erinnert verblüffend an ein modernes Krokodil, doch seine Nasenlöcher liegen nicht an der Schnauzenspitze, sondern dicht vor den Augen, und was wichtiger ist - er ist doppelt so groß. Smilosuchus, der wahre Herrscher dieses Flusses, reißt seine erkorene Beute hinab, um sie zu ertränken. Langsam bricht die Abenddämmerung über dem Tal herein. Einige letzte Sonnenstrahlen tauchen den Fluss in ihren malerischen Schein. Ein friedliches Bild, das über das harte Leben seiner Bewohner hinweg täuscht.



Fan Fiction macht Spaß!! Und wenn nur eine Person bis hierher lesen und sich freuen sollte, bin ich zufrieden. ^_^

Bis bald, euer Schreibotter



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