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Ethos der Terraristik | Nähkästchen

Aktualisiert: 22. Nov 2019




Ich bin ein sogenannter Terrarianer. Das heißt, dass ich wechselwarme Tiere hinter Glas halte - also Tiere, die es z.B. durch ein bloßes Gitter von unserem menschlichen Lebensraum getrennt nicht aushalten würden. Richtig vollführt ist ein Terrarium ein abgeschlossenes Universum, das nicht nur seinen Bewohnern ideale Lebensbedingungen verschafft, sondern auch die Fantasie des stillen Beobachters anregt, sich in ferne, unberührte Naturgebiete hineinzudenken.

Leider gehen diese beiden schönen Aspekte rasch verloren.


Denn es gibt sehr viele, die sich - angeregt von der Faszination, die diese Miniwelten auf sie ausüben - in eine regelrechte Sammelwut steigern. Terraristik kann sich in solchen Fällen schnell als ein äußerst teures, zeitfressendes und, ironisch genug, halbherziges Hobby erweisen. Die Tiere erhalten nicht mehr die Zuwendung, Beobachtung und Pflege, die sie verdienen, wenn sie erst in die hunderte gehen. Sicher - ihre Grundbedürfnisse lassen sich nach wie vor erfüllen. Je erfahrener eine Person mit der Terraristik ist, desto eher kann man ihr dies zutrauen. Aber wie selten steckt eine Person, die bereits zehn Geckoarten hält, ihre ganze Liebe in den Bau und die Pflege eines einzelnen Geckogeheges, in dem es eine Freude ist, den Tieren zuzuschauen? Und wie selten hat diese Person die Zeit, sich rund um die Uhr um die Tierchen zu kümmern und sicherzustellen, dass sie nicht bloß über die Runden kommen, sondern glücklich sind? Und sich an ihnen zu erfreuen? Denn darum - und nur darum - ging es mal.


Tommy, der Entdecker ~2 Seiten


Selbstverständlich gibt es solche Personen. In aller Regel sind sie Profis, machen Geld mit dieser Tätigkeit, z.B. indem sie die vormachen, wie es geht. Und das ist unbestreitbar eine tolle Sache. Aber dann wiederum gibt es auch diejenigen, die genau wissen, was "gerade ausreichend" ist, um die Tierhaltung markttauglich zu machen, und exakt diesen Zustand als effizientestes Marktmodell anstreben. Es ist das alte Lied von der bösen bösen Tierhandlung, das ich euch heute absolut nicht singen möchte. Stattdessen möchte ich jene loben, die es besser machen.

Die, die alles in ihre Tierzucht stecken, was sie aufbringen können, und vom verdienten Ruf nachhaltig profitieren, den sie sich damit aufbauen. Ich möchte nur einen einzelnen Namen nennen: Kamp Kenan. Dieser Kanal ist immer einen Abstecher wert, wenn man sich für Reptilien interessiert. Es ist unmöglich, ihm zuzuschauen und dabei nichts Brauchbares hinzuzulernen.

Für die, die nicht von dieser Sache leben können oder wollen, ist eine andere Route ratsamer: Jene der Bescheidenheit. Manchmal, wenn man ein Herz für alle Tiere hat, tun es z.B. auch Insekten. Es gibt etliche wunderschöne Sorten in der artenreichsten Tierklasse des Planeten. Insekten empfehlen sich für Tierhalter moralisch aus einer Reihe von Gründen. So kann es von sehr vielen als erwiesen gelten, dass sie einen maßvoll begrenzten Lebensraum gegenüber einem weiträumigen sogar bevorzugen, weil sie sich hier sicherer fühlen können (fliegende Sorten ausgenommen). Es gilt auch zu bedenken, dass man sich seelisch niemals so sehr mit einem Insekt verbinden wird, wie mit einem Hund oder einem Papagei. Es ist eine Sorte Leben, die man durchaus wertschätzen kann, solange es da ist - aber andererseits rasch verwunden haben sollte, wenn es für das Insekt an der Zeit ist, zu gehen. Natürlich muss nicht erst dazu gesagt werden, dass die Beziehung zu einem eigenen Hund nicht mit einem Insekt verglichen werden kann, doch der Tatsache, dass wir fast jedes Tier überleben, müssen wir alle ins Gesicht sehen und mit ihr umgehen lernen. Manche tun es so, andere so.

Gegenüber Reptilien sind Insekten außerdem noch aus einem anderen Grund attraktiver als ihr Ruf: Sie sind Terraristik für Faule.

Selbst sie werden aber noch durch die Praxis überboten, ein lebendes Biom in einem Glas herzurichten, es zuzuschrauben und sich daran zu erfreuen, wie es gedeiht. YouTube hat mittlerweile Tutorials für dieses Hobby wie Sand am Meer, und sicher nicht ohne Grund. Richtig ausgeführt, ist das lebende Kunstwek versorgt und braucht wenig bis keine Pflege: Manchmal ist weniger eben mehr.


Im psychedelischen Licht einer Mondlampe wird selbst die Pflege der anfängerfreundlichen Stabschreckengattung Ramulus zum magischen Erlebnis.



Bis bald! euer Schreibotter





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