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Gartenbesuche, Teil 2

Aktualisiert: 22. Nov 2019





Es ist ein kindisches, aber letztlich harmloses Spiel, sich neben einen Froschteich zu setzen und ein sehr tiefes, sehr langsames Quaken auszustoßen. Den balzenden Fröschlein, mit denen ich mir dies erlaubte, wurde dabei so anders, dass sicher zehn Minuten Ruhe im Karton war und ich ungestört lesen konnte. Schlussendlich aber setzten die ersten furchtlos wieder ein, und ihr Betrieb ging unverändert weiter. In den Teichen des botanischen Gartens durfte ich noch viele andere Lebewesen bewundern: Süße Kois, die immer bettelten, obwohl das Füttern verboten war, und schauerliche Libellenlarven auf der Pirsch. Einmal jedoch, da sah ich ganz kurz Pikaia, unser aller ferner Urahn, sich mäßig geschickt durchs Bild schieben.


Ich wiederhole, Pikaia lebt!

Und jeder, der mir erzählen will, dass es sich um eine Molchlarve in irgendeinem schrulligen Zwischenstadium gehandelt haben dürfte... hat mit dieser Beobachtung natürlich vollständig unrecht.

Aber es war ein anderer Teich - einer, der prähistorische Pflanzen ausstellte, überschattet von Sumpfzypressen - an dem ich die vielleicht interessanteste Begegnung hatte. Es gab einen sehr kleinen Randbereich, der Teil des Drainagesystems sein musste und durch ein starkes Gitter vom restlichen Teich abgeschnitten war. Ich hatte bereits eine Stunde neben dieser Stelle gesessen, gelesen, gelacht und Tee geschlüft und mich gelegentlich von den Passanten begaffen lassen, die ihre Hunde ausführten (ein Student im botanischen Garten der Uni? Extraordinär! Ich muss damals in die internationalen Schlagzeilen gekommen sein.)

Erst da bemerkte ich die Kröte. Es war eine erwachsene Erdkröte, die sich regungslos ins Gitter klammerte - nur leider von der denkbar schlechteren Seite. Das Tier schien apathisch, so als wäre jedes Bemühen, aus der Falle zu entkommen, bereits gescheitert. Noch dazu hatte es Besuch, vor dem es sich sehr zu fürchten schien - einen leuchtend blauen Flusskrebs, der aus der schlammigen Tiefe des Drainageschachtes geklettert kam. Er verschwand jedoch sehr schnell wieder, vielleicht, weil ich ihn erschrocken hatte.

Die restliche Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. Eigentlich - denn die Kröte, die keine Gegenwehr leistete, als ich sie vorsichtig vom Gitter zerrte, begann auf einmal sehr lebendig zu werden, als ich sie eben nicht zu meinem Riesenmaul führte, sondern über das Gitter hinweg trug. Den echten, schrankenlosen Teich, in den sie schon den ganzen Tag hinausgesehen haben musste. Plötzlich zappelte das Tier so energisch, dass es sich mir entwand und rücklings abstürzte.

Platsch!

Ich weiß ganz gut, wie eine Fluchtbewegung bei einer Kröte aussieht. Die Tiere suchen den Boden des Gewässers, graben sich gegebenenfalls sogar in den Schlamm ein, um unsichtbar zu werden, und halten still. Nicht so diese hier. Die Kröte, die an der Teichoberfläche blieb, drehte nicht nur rasend schnell eine ausgiebige Kreisbahn durch den gesamten Teich, sondern drei hintereinander. So stelle ich mir eine Leistungsschwimmerin vor, die nach viel zu langer Pause endlich wieder in ihrem Element ist. Schlussendlich war das Tier dann natürlich trotzdem abgetaucht.

Eine Kröte ist zugegeben nicht sonderlich schlau, da sind sich die Biologen einig. Aber ich schätze, das muss sie auch nicht sein, um eine Freude über ihre zurückgewonnene Freiheit zu spüren, die der unseren sehr ähnlich ist.



Bis bald! euer Schreibotter





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