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Graffitistudien | Nähkästchen

Aktualisiert: 22. Nov 2019



Graffiti könnte so vieles sein.

Tatsächlich ist es das ja auch meistens. Die Stadt, in der ich lange lebte, hatte reihenweise Graffiti-Flächen, die von Künstlern der Szene offiziell benutzt werden konnten. Regelmäßig wurden dabei alte Bilder übermalt, um ein immer neues Farberlebnis zu kreieren. Tolle Sachen kommen dabei rum.

Das ist der Part, den ich verstehe. Diese Bilder sind nicht selten atemberaubend in ihrer Plastik, ihrer Fantasie, ihren Farben. Der Part, den ich nicht verstehe - ja, ich meine das ernst - sind die Texte im Graffiti. Buchstabenkolonnen überdimensionalen Ausmaßes, gepaart mit bescheidensten Minimalansprüchen an die Lesbarkeit. Ich bin mir sicher, dass die Urheber selbst noch auseinander klamüsern können, was da stehen soll. Ebenso sicher bin ich mir aber, dass sie damit allein sind.

In meiner alten Stadt habe ich sehr viele erstaunliche Malereien erlebt, aber fast alle sind früher oder später unter diesen unleserlichen Runen verschwunden. Ich bin mir nicht sicher, warum sie die Bilder schrittweise abgelöst haben. Bitte nicht falsch verstehen - ich bin abstrakter Kunst nicht abgeneigt, ich muss nicht immer in allem und jedem eine reale Sache erblicken, um an einem Bild interessiert zu sein. Das Problem mit diesen Runen ist nur, dass sie bildlich, soll heißen in ihrer Perspektive, ihren Farben und all dem, nicht sehr viel zu bieten haben, um nicht zu sagen immer ein und dasselbe sind. Für mich als Laien jedenfalls ist da nichts unterscheidbar dran. Sie stören mich nicht, aber Interesse kann ich wirklich nicht an ihnen heucheln.

Spannend wird es erst, wenn ich eben doch mal hier und da mühsam etwas herauslesen kann und rätseln darf, welche geheimnisvollen Botschaften mir eine uralte Zivilisation hier hinterlassen haben könnte. Besonders, wenn sich dabei Fehlerchen einschleichen: Hinter dem Haus, in dem ich lebte, war eine Brücke, und unter dieser Brücke stand doch tatsächlich:

LORI

Das schien mir so unwahrscheinlich, dass ich mich zu ausufernden archäologischen Studien hinreißen ließ. Schließlich entdeckte ich die Überreste des fast vollständig verwitterten Bogens im "D", was aus dem Lori natürlich einen reichlich ordinären "Lord" machte.

Schade eigentlich.

Bis bald ^_^ euer Schreibotter





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