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Impro-Theater | Nähkästchen

Aktualisiert: 22. Nov 2019






Ich bin hoffnungslos untalentiert im Impro-Theater.

Das hielt mich nicht davon ab, mehrmals damit auf die Bühne zu treten. Denn an der Uni bestand die Möglichkeit, es in einem Intensivkurs zu lernen und anschließend in mehreren Gruppen regelmäßig zu üben. Beides Erlebnisse, die ich schon wegen des Spaßes, den sie bereiten, nur empfehlen kann.

Manche werden schon in meine Improvisations-Texte reingeschnuppert haben. Eine Sache, die den größten Teil meiner Schreibzeit absolut undenkbar gewesen wäre. Ich bin ein eher systematischer Schreiber, wie man meinen Schreibtipps sicher anmerken kann, und Spontanität - der völlig assoziative, leichtfüßige Fluss der Gedanken - schien mir meine größte Schwäche zu sein. Aber das hielt mich nicht davon ab, einzugestehen, wie unglaublich nützlich sie beim Schreiben und eigentlich auch sonst überall im Leben ist. Aber woher nehmen und nicht stehlen?

Das Impro-Theater-Projekt war eine der schönsten und intensivsten Erfahrungen, die ich bisher machen durfte. Gemeinsam erlernten wir die seltsame und bezaubernde Kunst, Theaterszenen aus dem Bauch heraus zu spielen. Es gibt dabei kein Script, keine Rolle, kein Bühnenbild - man stellt sich mit einer Partnerin oder einem Partner hin und macht, was einem eben so durch den Kopf rauscht. Es ist erstaunlich, wie raffiniert die erstbeste Idee bei trainierten Spielern sein kann. Plötzlich wird man Zeuge einer bescheuerten Parodie von Indiana Jones oder eines mitreißenden Liebesdramas.

So weit brachte ich es nie. Selbst als Hobby betreibe ich dieses Spiel nicht mehr, da sie mich schlaucht, wenn ich ehrlich bin. Bin nicht dazu gemacht, daran wird sich so schnell nichts mehr ändern. Soll ich eine Geschichte erzählen, dann schalten sich in mir ganz unwillkürlich schwere, behäbige Maschinen ein, die tausend Fragen stellen. Diesen Prozess einfach zu überspringen - das ist meine Sache nicht. Spaß hatte ich trotzdem, und das Publikum auch, wie ich hoffe. Schließlich brachte mir mein Lehrer bei, heiter zu scheitern - die absolute Grundlage allen Improvisierens.

Eine ganz entscheidende Sache lehrte er mich ganz am Schluss, nachdem wir die ersehnte Show, das Finale unseres Projektes, schon hinter uns hatten. Er sagte: Improvisieren, das kannst du auch beim Schreiben, und du wirst überrascht sein, was dabei so alles entstehen kann. Diesen Rat habe ich beherzigt, und dies ist die Form, in der ich das Improvisieren bis heute ausübe. Das scheinbar totale Gegenteil meiner inneren Maschinerie - ausgerechnet das erwies sich für mich als Schlüsseltechnik, die ganz neue Türen aufstieß. Und so ist es, denke ich, immer. Das, was einem von Natur aus am allerfernsten scheint, erweist sich als erstaunlich nah und bereichernd, wenn man sich überwindet und der Sache einfach mal eine Chance gibt.



Bis bald! euer Schreibotter





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