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Kapitel 2: Ermittlungen

Aktualisiert: 22. Nov 2019



Die kleine Spatzin öffnete die Tür und starrte ihm ins Auge. Sie starrte nicht auf seine breite Krawatte, nicht auf seinen vorgestreckten Dienstausweis, nicht einmal auf die beiden bulligen Bussarde, die hinter ihm in Habachtstellung standen. Alles, was sie zu interessieren schien, war ausgerechnet sein blaues Auge. "Komissar Taubert von der Mordkomission", brummte er und sah, wie ihre Augen sich weiteten. Dieser Blick sagte alles, völlig klar. Er hatte das schon tausendmal gesehen. "Heißt das, dass er wirklich…", fing sie mit dünner Stimme an. "Wir würden gerne reinkommen." Schweigend gingen sie ins Wohnzimmer. Eigentlich nichts Besonderes. Tische, Stühle und so. Sie lebte ganz normal. Taubert musste aber gestehen, dass alles ein bisschen klein war. Es krachte. "Autsch!" "Das war dann wohl mein Nachttisch." "Stellen Sie den doch nicht hier so mitten hin!" Sie erwiderte nichts. Verdächtig… sehr verdächtig. "Sie sind Frieda Kaschinsky?", erkundigte er sich betont professionell, nachdem er mit seinem breiten Bierbauch den kleinen Tisch vor sich hergeschoben und sich in einem winzig kleinen Sessel niedergelassen hatte. Sehr unbequem. Und sehr verdächtig. Offensichtlich war dieser Sessel nur zum Schein hier. Er machte sich eine gedankliche Notiz und überhörte die Antwort der Spatzin. "Und - warum sind Sie hier, Komissar?", wunderte sie sich. "Bitte sagen Sie mir nicht, dass er wirklich…" "Sie und der Tote hatten sehr viel Streit", sagte Taubert triumphierend. "Außerdem hatten Sie Kornprobleme." "Er ist wirklich tot?!", keuchte die Spatzin. "Ich dachte, man hätte bisher nur Federn ge…" "Spielen Sie nicht so unschuldig, Sie sind ja verantwortlich dafür", wies er sie zurecht. "Ihre Maskerade wird hier nichts bringen, das verspreche ich Ihnen. Ich weiß alles über Sie, dank Ihrer sehr zuvorkommenden Nachbarin Trudi Trauerschwan." Bei diesem Stichwort kam ein riesiger schwarzer Schwanenhals durch das Fenster und schlängelte sich einmal durch den Raum, bis er neben dem Komissar stoppte und fleißig nickte. Die Schwänin blickte komisch drein, irgendwie schuldbewusst. "Trudi!", stieß Frieda aus. "Sag doch was!" "Hab' ich doch schon." "Danke, Frau Trauerschwan, Sie sind hier nicht mehr erforderlich." Der Schwanenhals verschwand wieder. "Sie sehen, wir haben alle Indizien." Taubert lehnte sich selbstzufrieden zurück. "Hier meine Rekonstruktion der gestrigen Ereignisse: Sie und Ihr Mann spazieren durch den Park. Plötzlich kommt es Ihnen in den Sinn, fremdes Korn an sich zu reißen. Sie stürmen die Bank, lassen drei große Säcke mitgehen und bitten Ihren Komplizen, beim Tragen zu helfen. In einem plötzlichen Anflug von Gesetzestreue stellt er sich Ihnen entgegen. Sie erinnern sich an den Frust Ihres letzten Streits, möglicherweise über die vergammelte Pizza, mit der Sie Ihren Hochzeitstag feiern mussten, und vielleicht denken Sie auch daran, wie Sie erst kürzlich auf einem Stück Seife ausgerutscht sind, das Ihr Mann im Badezimmer liegen ließ. Möglicherweise spielte aber auch…" Einer der beiden Bussarde stieß ihn unsanft an. "Sie beschlossen, Detleff Kaschinsky, Ihren langjährigen Mann, umzubringen. Sie konnten alles beseitigen außer seinen Bauchdaunen, als die Polizei eintraf und Sie türmen mussten. Und hier sitzen Sie jetzt, im Angesicht des Gesetzes - und wagen es, unschuldig zu spielen." "Ich bitte Sie! Ich würde das doch niemals tun", piepste die Spätzin, die jetzt noch kleiner zu werden schien. Klarer Fall. "Haben Sie denn irgendwelche Beweise?" "Hmmm, mal überlegen." Taubert machte sich einen Spaß daraus, sich mit ungelenken Bewegungen umzusehen und dann scheinbar unbeabsichtigt den Tisch mit seiner enormen Wampe umzustoßen. Es kamen drei große weiße Säcke zu Tage, prall gefüllt und mit den Buchstaben NSBKB bedruckt. "Aber… aber… wie kommt das denn hier her?", kreischte Frieda erschrocken. "Ich habe keine Lust mehr auf dieses Schmierentheater", erwiderte Komissar Taubert, dessen Magen grummelte und der eigentlich schon die ganze Zeit überlegte, bei welcher Imbissbude er heute reinschauen sollte. "Im Namen des Gesetzes - Sie sind festgenommen." Bis bald! euer Schreibotter





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