©2018 by Schreibotter. Proudly created with Wix.com

 
blank-brainstorming-business-6357-1024x6
 

Kapitel 4: Das Labor

Aktualisiert: 22. Nov 2019




"Lassen Sie mich gehen!", krähte Elsa Elster, die gefesselt und kopfüber von einem Abflussrohr baumelte. "Sagen Sie mal", wunderte sich der winzigkleine Spatz im obligatorischen Drehstuhl, der einige nackte Stellen an seinem Bauch und eine Schutzbrille aufgesetzt hatte, "glauben Sie, ich hätte Sie zum Spaß gefesselt, oder warum stellen Sie so dämliche Forderungen?" Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich wieder den riesigen Maschinen zu, inmitten von allem: Ein Computer, so groß wie ein Haus. Sagen wir, so groß wie ein Spatzenhaus. Elsa hätte ihn schon umschubsen können, wenn sie frei gewesen wäre. Aber dieser elende Spatz hatte sie mit einem selbstgebauten Elektroschocker außer Gefecht gesetzt, kaum dass sie ihm auf die Spur gekommen war. Er setzte sich einen Kopfhörer auf und starrte angespannt auf den Bildschirm, der für Elsa nur abstrakte Strichmuster enthielt, die sich dauernd änderten. Dabei rührte er immer wieder mit dem Fuß in einem Bottich, der eine grüne, schleimige Past enthielt, die bedrohlich vor sich hinblubberte. "Warum machen Sie das alles?", versuchte sie es wieder. "Sie hätten doch einfach die Bank mit Ihrem Elektroschocker ausrauben und die Stadt mit dem Korn verlassen können." Er drehte sich wieder nach ihr um. Sie sah sein breites Grinsen. "Ja, so sah der Plan einmal aus, als ich noch dabei war, dieses unterirdische Geheimlabor aufzubauen. Aber dann bekam ich Streit mit meiner Frau… und so beschloss ich, das Korn stattdessen unter ihrem Tisch zu verstecken." Elsa hielt den Atem an. "Sie meinen… dass Sie Ihren eigenen Tod inszeniert haben, damit Ihre Frau…?" "Bingo! Die Kandidatin hat tausend Punkte. Und weiß zuviel, um hier lebend rauszukommen. Ich hoffe, das ist ok für sie." Elsa versuchte, mit den Flügelansätzen zu zucken. "Ist schon ok. Ich meine, ich hänge hier seit drei Stunden. Ich kam schon von selber darauf. Es ist doch viel interessanter, an Ihrem faszinierenden Plan teilzuhaben." Geschmeichelt legte der Spatz die Beine übereinander und lehnte sich zurück. "Endlich jemand, der mein Genie zu würdigen weiß." "Aber was hören Sie da ab?" "Das Polizeipräsidium", sagte er grinsend. "Ich muss ja meine Frau befreien." "Aber hatten Sie nicht gesagt, dass…" "Ja, so sah der Plan einmal aus, aber dann realisierte ich, dass es nicht ihre Schuld ist. Mit all der Knete werde ich ihr endlich das Leben geben können, das ich ihr versprochen habe. Und dann wird sie sich schon wieder einkriegen." "Aber… hatten Sie das Korn denn nicht…" "Ja, so sah der Plan einmal aus, aber dann erfand ich das explodierende Korn. Sehen Sie den Bottich da?" Elsa sah den Bottich, aber sie verstand nichts mehr. "Ich habe alle drei Säcke mit explodierendem Korn gefüllt", lachte der Spatz hämisch. "Sieht genauso aus wie Korn, fühlt sich genauso an, aber wenn ich diesen großen roten Knopf hier drücke…" Er strich versonnen mit der Flügelspitze darüber. "Bumm! Klar?" "Das Polizeipräsidium!", keuchte Elsa erschrocken. "Genau. Ich weiß, wo ihr berechenbaren Idioten das Korn lagern werdet. Das explosive Korn wird die Zelle öffnen, ohne meiner Frieda eine Daune zu krümmen. Muhahaha!" Stirnrunzelnd musterte ihn Elsa. Sie hatte nie einen fröhlicheren Spatzen gesehen. Oder einen Irreren. "Aber… aber… warum haben Sie nicht einfach…" "Kein Aber mehr!", knurrte der Spatz, der auf einmal seinen Elektroschocker an sich riss und aufstand. Es knisterte am Ende des Stabes, dass sich Elsa alle Federn aufstellten. "Wenn Sie nicht mein Genie bewundern können, dann sterben Sie eben jetzt. Der Elektroschocker ist zu lethalen Spannungen fähig! Habe ich übrigens schon erwähnt, dass ich ihn ursprünglich baute, um meine Frau damit loszuwerden? Bevor ich die Idee hatte, mit ihm eine Bank auszurauben." Er näherte sich mit einem versonnenen, sadistischen Lächeln. Elsa schrie. Sie versuchte sich dem Stab zu entziehen, der immer lauter knisterte, aber jede noch so große Anstrengung ließ sie einfach wieder zurückbaumeln. Jetzt war er fast da… Flatsch! Plötzlich war da kein Spatz mit Elektroschocker mehr. Sondern ein fettleibiger Tauberich, der nicht zu wissen schien, wo er gelandet war, geschweige denn warum. "Taubert!", stieß sie erleichtert aus. "Elsa…?", stutzte er benommen. "Ist das hier schon wieder so ein Tagtraum?" "Sie haben mich gerettet!" "Hä?" Taubert unternahm einen bescheidenen Anlauf, sich auf die Füße zu rollen, aber es wollte ihm nicht gelingen. "Ich habe ein zu großes Yufka gegessen, Elsa", stöhnte er. "Ich…" "Schon gut", stöhnte Elsa.

Und wenn sie nicht gefunden wurden, hängt sie dort noch heute.



BÄTSCH! FORTSETZTUNG FOLGT TROTZDEM…







Schreibotter.de kann ohne dich keine neuen Leserinnen & Leser erreichen. Du kannst mich schon riesig unterstützen, indem du diesen Beitrag mit einem kurzen, schlichten Kommentar in den sozialen Netzwerken in Fischen bewertest – es kostet dich auch nur einige Sekunden.


– So geht's –


Falls du mir noch mehr helfen möchtest, erwäge bitte einen Besuch meiner neuen Patreon-Seite. Dich erwarten ausgefallene Rewards!


– Patreon –

18 Ansichten