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Schlüsseldienst Kernbeißer

Aktualisiert: 24. Nov 2019



„Schlüsseldienst Kernbeißer, was kann ich für Sie tun?“

Kommissar Taubert unterdrückte ein unprofessionelles Kichern. Die Stimme, obgleich sehr dunkel und bullig, klang so gelangweilt wie neunzehn Stunden Steuerabrechnung. Ein Sechser im Lotto!

Er räusperte sich, dann trug er getragen vor: „Es war einmal ein Schlüsselloch, in das hinein ein Schlüssel kroch.“

„Ahja.“

„Zu hektisch aber riss herum der Flügel ihn, wie dumm! Nun steckt ein halbes Schlüssellein darin zu seiner stillen Pein.“

„Hören Sie – Sie können mir das bestimmt auch in normal vermitteln, oder? Ich hab' hier noch 23 andere Aufträge abzuarbeiten, können Sie sich nur eine klitzekleine Spur beeilen? Fänd ich richtig spitze, ehrlich.“

Er blickte enttäuscht drein. Nein, das war doch kein Triumph! Der Feind hatte das Feld geräumt, noch bevor es zum ersten Scharmützel gekommen war. Gut, dass er gegen die Regeln spielte.

„Nun hetzen Sie mal, eitler Wicht, den waschechten Poeten nicht! Die Kriminalstatistik lügt. Ihr Schlüsseldienst betrügt!“ Die Leitung wurde gehalten. Er saß herum, spielte mit der Schnur und blickte mit diebischer Freude über die Schulter.

Die Hausmeisterin, eine betagte Ibisdame, sah keineswegs überzeugt aus. Tiefe Runzeln zogen sich durch ihre blassrote Stirn. Er zwinkerte ihr bloß verschwörerisch zu. Die Leitung wurde wieder freigegeben.

„Reden Sie, Mann!“, keuchte die Stimme erschrocken. „Sie haben also diesen bizarren Brief hier hinterlegt, ja? Soll das etwa heißen, Sie…“

„Der Brief, mein Freund, ist halb so wichtig. Stellen Sie das Ihre richtig! Das Loch ist jedem andern gleich, nur der Schlüssel ist für’n Teich.“

„…für'n Teich?? Jetzt hören Sie mal. Scheint eine ernste Angelegenheit zu sein, also warum reden wir nicht einfach wie erwachsene Leu…“

„Befehle nimmt der Kommissar nicht an. Tun Sie’s nochmal – und Sie sind dran.“

Jetzt war es still am anderen Ende der Leitung.

„Na bitte, so gefällt mir das! Haben Sie doch einfach mit mir Spaß. Ich übe meine Fantasie, statt bloß zu brüllen:

GARANTIE?!“

„Pieps“, machte der Kernbeißer.

„Das Präsidium braucht eine Pforte, sonst klaut noch jemand meine Torte. Drum kommen’s schnell und machen’s neu und bleiben dem Gesetze treu. Sonst landen Sie nur umso schneller bei mir zuhaus und spülen Teller!“ Mit jeder Silbe wurde der Kommissar lauter, bis er gespielt erregt in den Hörer donnerte: „Ich gebe Ihnen zehn Minuten, da sollten Sie sich besser sputen!“

Das Gespräch wurde aufgelegt.

„Beeindruckend“, stutzte Isabell, die Ibisdame. „Und hat er diesmal auch gar nicht herumlamentiert?“

„Gar nicht.“

„Hm, netter Trick... man lernt aber auch nie aus.“



Bis bald!

euer Schreibotter





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