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Studien der Skepsis, Teil 1

Aktualisiert: 22. Nov 2019





"Ich glaube, dass wir belogen werden." Du verstehst nicht. Dein alter und inniger Schulfreund scheint nicht recht zu wissen, wie er es dir vermitteln soll. Ist denn nicht alles schon gesagt - mit diesem einen Satz?

Du wartest ab. Plopp, macht Skype. "Naja, sie belügen uns." "Aber wer sind sie?" Plopp erneut. "Ich weiß es nicht. Sie bleiben unsichtbar." Du wirst verwirrter mit jeder Sekunde, die ihr euch über dieses seltsame Thema unterhaltet, jeder Minute, die es unverändert bei denselben Sätzen bleibt, und jedem Tag, den sich das Spiel wiederholt. Es ist, als wollte dein Freund dir etwas außerordentlich Schwieriges sagen, doch was ist es? "Und worüber belügen sie uns?" "Das weiß ich nicht. Niemand weiß es, außer ihnen. Sie belügen nicht nur dich und mich, sondern uns alle." Du hältst inne. Könnte es sein, dass dein Freund sich nicht so recht sicher fühlt ... ? Aber wer hat ihm dieses Gefühl gegeben? Du weißt, dass er leider sehr einsam ist. Ein furchtbar netter, talentierter, herzensguter Mensch ist er, und als er dir einmal schrieb, dass er dich als eine gute Freundin liebe, nahmst du das nicht auf die leichte Schulter.

"Ich liebe dich auch!", schriebst du. Aber jetzt... Es scheint, als möchte er sich nicht mehr unterhalten, nicht, bis dir irgendein Lichtlein aufgegangen, irgendein Damm gebrochen ist. Aber um welchen handelt es sich dabei bloß? Machst du etwas Grundlegendes falsch, sooft du ihm antwortest? Du kannst nur wieder und wieder deine irritierten Fragen herunter leiern. "Ich denke auch, dass sehr viel Täuschung in der Welt ist", antwortest du ihm schließlich eines Tages. "Aber da draußen sind auch viele einflussreiche Institutionen, die sich um Fakten und Beweise bemühen. Sie sind sehr renommiert und zuverlässig." Plopp! "Glaubst du das - ehrlich?" Du stutzt.

Nach diesem Gespräch über die Sache sprach er dich nicht mehr auf das Thema an. Eine kurze Phase, in der ihr euch noch ausweichend über dies und jenes unterhalten habt, alberne Themen, persönliche Themen, herzliche Themen, wie früher eben, wie es sein sollte. Und dann - nur noch erdrückende, endlose Stille. Bei der Stille blieb es. Jahre gingen ins Land, die er nun schon nicht mehr da war. Du wusstest nur noch, dass er in die Schweiz übergesiedelt war, und dass er seinen Skypeaccount schon sehr lange nicht mehr benutzte. Erst nach vielen Jahren würdest du es begreifen und weinen. Der erste Schritt ist getan. Du weißt nun, wie groß sie ist:

Die Macht der Skepsis.

Bis bald! euer Schreibotter



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