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Studien der Skepsis, Teil 3

Aktualisiert: 22. Nov 2019





Sie stehen steif und zusammengepfercht da wie die Pinguine. Drängen sich dicht aneinander, an ihre Freunde, die sie schützen und verbergen sollen. Die Übermütigen wackeln dann und wann ein bisschen mit den Knien. Es ist, als hätte die Musik, die durch diese Hallen der Freude strömt, keinen so rechten Biss. Der DJ hat es immer schwerer, sich ein Gähnen zu verkneifen. Immer wieder lösen sich die frisch gebildeten kleinen Trauben wieder auf, wenn ihnen das Auge zusetzt, wenn sie sichtbar werden. Eine Kettenreaktion, und plötzlich sitzen schon wieder alle herum. Bloß nichts anders machen, als die anderen, sonst ist man blamiert.

So kann es ja nichts werden!

Geschmeidig bahnst du dich durch die umstehenden Gaffer, die aus Sicherheitsgründen ein immer mindestens halbvolles Sektglas in der einen und ihr Schmachtphone in der anderen halten, um sich alibimäßig nicht bewegen zu müssen, wenn sie sich nicht trauen. Du schneidest wie ein Rasiermesser durch glühende Butter, denn niemand möchte dir nahe stehen, mit dir assoziiert sein, während du im Begriff bist, deine Existenz für immer zu ruinieren und dich endlos lächerlich zu machen. Das ist doch - das kann doch nicht - ja, ist das denn erlaubt?

Du stehst nun da, mutterseelenallein und für alle sichtbar.

Kurz schließt du die Augen, blendest alles aus, was nebensächlich ist und schon morgen niemanden mehr kümmern wird. Bedeutsam ist nur noch der Strom der Melodie, der dein Herz erfasst und mitzureißen beginnt. Du nickst erst bloß leicht zu ihr, ganz sachte, dann machst du deinen ersten Schritt. Du lässt alles hinaus, alles strömt, alles lodert und sprüht. Dein Leben war nie intensiver und wird nie intensiver sein, das weißt du und musst lachen darüber, dass du sterblich bist, lachen über den eitlen Ernst, der dich erfasst, wenn du nutzlos herumsitzt. Deine Seele schwingt. Der Tanz reißt dich mit wie einen besessenen Sturm, und alles starrt dich an.

Es ist spät, du bist müde und völlig schweißüberströmt. Gerade so sitzt du noch aufrecht in deinem Sessel, nippst am kühlen Bier und schaust lächelnd den anderen bei den schönsten, lebendigsten Stunden ihres Lebens zu.



Sie ist ja so zerbrechlich, wenn man weiß, wie.


Bis bald! euer Schreibotter






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