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Und täglich grüßt Megalodon!

Aktualisiert: 22. Nov 2019




Jede kennt es, das hartnäckige Gerücht, dass Megalodon - der größte und hungrigste Hai der Erdgeschichte - noch heute durch die Tiefe streifen könnte. Es macht einfach zu große Schlagzeilen, wenn jemand das Tier "gesehen" haben möchte. Seltsam mutet es da an, dass wir seit dem späten Pliozän keine fossilen oder gar organischen Reste des Riesenhais haben, und das, obwohl es tausendfach wahrscheinlicher ist, die Reste eines noch lebenden Tieres zu finden, als eines Tages seine Fossilien auszugraben. Fossilisation ist ein Privileg, das nur sehr, sehr wenige Individuen einer Spezies genießen. Aber ich möchte euch nicht mit Statistiken langweilen.


Sondern mit Biologie!


Es ist ja durchaus verständlich, dass die ungeheure Größe der ewigen Finsternis die Fantasie beflügelt. Und ja, Großtiere gibt es in der Tiefe, auch wenn sie ausgesprochen selten sind. Unter den größten wären z.B. der erstaunlich unbekannte Kolosskalmar oder der Grönlandhai, der ein halbes Jahrtausend leben kann. Aber ist es nicht sonderbar, dass man sich überhaupt grotesker Mythen bedienen muss, wenn man sich guten Gewissens diese Tiere da unten vorstellen kann, echt und aus Fleisch und Blut, und was sie in genau dieser Sekunde wohl so treiben mögen? Finde ich so viel spannender! Aber das ist anscheinend Geschmackssache.


Diese Tiere aber sind, näher betrachtet, das genaue Gegenteil des legendären Megalodon. Bei ihnen handelt es sich um Spezialisten, die in einem der kärglichsten, nährstoffärmsten und nebenbei einem sehr kalten Biom über die Runden kommen müssen. Sparsamkeit ist in der Tiefe das oberste Gebot, schon immer gewesen. Sicherlich können sie blitzschnell zuschlagen, aber dann müssen sie sich auch absolut sicher sein, dass es sich lohnt. Menschlichen Beobachtern haben sie diesen "Gefallen" deswegen noch nie getan.


Megalodon hält mehr als nur einen Rekord. Einer darunter ist höchstwahrscheinlich jener der Gefräßigkeit. Es dürfte sich um das energetisch verschwenderischste Lebewesen gehandelt haben, das je gelebt hat, warmblütig, immer in Bewegung, schlecht bis gar nicht isoliert. In warmen, sonnendurchfluteten Schichten, tausendmal reicher an schierer Biomasse als jene darunter, schwimmen bis heute die großen Bartenwale, von denen er sich einst ernährte und die nachweislich rasend schnell größer wurden, als ihr schlimmster Feind sich nicht mehr blicken ließ. Sollte Megalodon auf die dramatisch reichere Beute tatsächlich reagiert haben, indem er sich in die Tiefen des Meeres zurückzog, wo selbst noch der kleinste Fisch sich fleißig im Fasten üben muss?


Schon seltsam.


Genauso interessant ist es aber auch, dass das Meer gerade damals, als Megalodon beschloss, sich nicht mehr blicken zu lassen, und die Bartenwale zu den Giganten von heute heranwuchsen, weltweit erheblich kälter wurde. Sollte Megalodon auf die ihn empfindlich treffende Abkühlung tatsächlich reagiert haben, indem er sich in die Tiefen des Meeres zurückzog, die in allen Breitengraden ganzjährig nahe an den Gefrierpunkt reichen?


Schon seltsam.


Irgendwie klingt dieses ganze Gerücht ausgesprochen megalodonunfreundlich. Gehen wir davon aus, dass schon eine Balance zwischen Räuber und Beute geherrscht hätte - und davon muss immer ausgegangen werden, denn ein Räuber, der hoffnungslos überqualifiziert ist, rottet ja seine eigene Beute aus und stirbt demgemäß wenig später gleich mit aus - dann muss man sich wirklich fragen, wieso der Megalodon von einem Tag auf den anderen beschloss, es sich so viel schwerer zu machen. Reißerische Porträts der Natur erkennt man aber stets genau daran, dass sie keinen Sinn für Überlebenschancen haben. Und zwar, weil sie lieber das "Bild der Bestie" feiern. Es kann gar nicht genug am Limit zugehen. Jeden Tag muss die Bestie - mindestens dreimal! - ums nackte Leben ringen, jede Jagd und überhaupt jede Begegnung muss auf Leben und Tod sein.


Dieses Bild des Romantisierten und Reißerischen hat mich immer angeödet. Die meisten Tiere da draußen haben einen mühseligen, aber nur selten lebensbedrohlichen Alltag. Bitte lasst mich euch aus meiner Lebenserfahrung sagen, in der Natur dreht sich - ganz genau wie bei euch Menschen - alles um eine sichere Lebensbasis. Ist die selbst den erfolgreichsten Individuen nicht mehr möglich, dann geht es schneller bergab, als man "Gut's Nächtle!" sagen kann. Ginge es grundsätzlich bei jeder meiner Jagden ums Überleben, dann würde ein mieser Tag ja schon ausreichen, und ich wäre nicht mehr da. Hat das schonmal jemand in Betracht gezogen? In den heutigen Medien wird Realismus immer seltener. Sie scheinen zu glauben, Tiere schössen irgendwie aus dem Boden, um sich unerbittlich in die endlose "Schlacht" zu stürzen. Das Ersetzen eines geschlechtsreifen Individuums - ganz besonders bei großen und räuberischen Tieren - kostet in aller Regel Jahre. Bei Haien sind es nebenbei sogar Jahrzehnte. Auch das ein Grund, warum wir Tiere in unseren Herzen niemals gute Gladiatoren abgeben würden. Überlebensmeister, das sind wir. Und das ist für mich die viel spannendere Geschichte.


Kann man sich natürlich auch wieder drüber streiten.

Die Annahme, dass eine ökologisch dermaßen zerbrechliche, auf luxuriöseste Bedingungen angewiesene Spezies wie Megalodon überlebt haben und sich warum auch immer in der Tiefsee verstecken sollte, ist hingegen unterm Strich so ähnlich, als würde man Reste des römischen Reiches auf dem Mars erwarten.

Also, steckt ruhig die Füße rein!

Ich hab euch vor dem Kolosskalmar ja schließlich gewarnt...



Bis bald! euer Schreibotter





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